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Freireligiöse Jugend Pfalz

Freireligiöser Religionsunterricht

Menschen brauchen Hilfe, die es ihnen ermöglicht, Mut, Sicherheit und Verantwortungsgefühl für die Gestaltung des eigenen Lebens und die Mitwirkung am Schicksal der Menschheit zu entwickeln. Freie Religion sieht diese Hilfe nicht im Angebot fester Glaubensvorschriften gegeben, sondern im Gespräch, in der Anregung des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns. Der Freireligiöse Religionsunterricht soll dies altersgerecht ausführen.

Wer kann am freireligiösen Religionsunterricht teilnehmen?
Der freireligiösen Religionsunterricht ist offen für Schüler und Schülerinnen, - die freireligiös, also Mitglieder der Gemeinde sind, oder - die keiner Religionsgemeinschaft angehören, oder
- für die kein Religionsunterrichts ihres Bekenntnisses angeboten wird. Die verbindliche Teilnahme an ihm entbindet von der Pflicht zum Besuch des Ethikunterrichts.

Was müssen Eltern und Schüler/innen tun, die sich für die Teilnahme am freireligiösen Religionsunterricht interessieren?
Setzen Sie sich bitte zuerst mit der Freireligiösen Landesgemeinde Pfalz in Verbindung (Anschrift und Telefon umseitig). Hier erfahren Sie die aktuellen Unterrichtsorte und -zeiten und die näheren Verfahrensweisen. Hier können sie einen Gesprächstermin zur eingehenderen persönlichen
Information vereinbaren. Zurzeit wird freireligiöser Religionsunterricht in Ludwigshafen und Elmstein erteilt. Sie melden Schüler und Schülerinnen schriftlich bei uns an (ab 14 Jahre können dies Schüler und Schülerinnen selbständig tun) und informieren direkt die Schule. Anmeldebestätigungen werden bei Bedarf ausgestellt.

Freireligiöser Religionsunterricht – gleichwertig und gleichgestellt
Wie alle staatlich anerkannten Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften in Deutschland hat auch die Freireligiöse Landesgemeinde Pfalz das Recht, einen eigenen Religionsunterricht in öffentlichen Schulen als ordentliches Lehrfach durchzuführen. Freireligiöser Religionsunterricht ist dem christlichen Religionsunterricht gleichgestellt. Wer verbindlich an ihm teilnimmt, ist auch von der Teilnahme am Ethikunterricht befreit. Der Religionsunterricht wird von staatlich anerkannten Lehrkräften der Freireligiösen Gemeinden durchgeführt. In seinem Rahmen erteilte Zeugnisnoten müssen eingetragen und berücksichtigt werden.

Inhalte und Ziele des Freireligiösen Religionsunterrichts
Ziel des freireligiösen Religionsunterrichts ist es, in informativer, spielerischer und praktischer Weise die eigenständige Meinungsbildung und Persönlichkeit der Schüler und Schülerinnen zu fördern. Er soll sie zu selbstbewusstem, kritischem und verantwortlichem Umgang mit sich, ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt anregen. Er will sie dazu führen, sich mit den verschiedensten Religionen und Weltanschauungen einschließlich einer Freien Religion auseinander zu setzen. Ferner will er
sie ermutigen, eine humanistische Ethik zu entwickeln und Alltagsprobleme bewusst anzugehen und konstruktiv zu bewältigen. Für den Unterricht liegen staatlich anerkannte Lehrpläne für die Grundstufe, Sekundarstufe I und Sekundarstufe II (Gymnasien) vor. Die Themen werden mit Schülern und Schülerinnen und Eltern abgesprochen.

Beispiele:
- Religionen der Welt
- Konflikte und ihre Lösungsmöglichkeiten
- Ehrfurcht vor dem Leben
- Werte entwickeln und Werte leben
- Kraft und Grenzen von Ritualen
- Nationalsozialismus und Freie Religion
- Umgang mit Gefühlen

Die Vermittlung des Stoffes erfolgt auf der Grundlage freireligiöser Weltanschauung, ohne diese als allein richtige und verbindliche Auffassung vorzugeben.

Methoden im Unterricht:
Neben regelmäßig in den Wochen verteilten Unterrichtsstunden finden Ausflüge und Blockangebote statt, um in Projektform bestimmte Themen vertiefen zu können. Neben der Arbeit mit Literatur und Schrift stehen praktische Erfahrungen und künstlerisches Gestalten. Diskussionen und eigenständiges Erarbeiten von Themen nehmen breiten Raum im Unterricht ein. Dringliche Anfragen von Schülern und Schülerinnen haben Vorrang, aktuelle Themen werden gerne aufgegriffen und nach Möglichkeit vertieft und eingebunden in übergreifende Fragen.

Warum führen wir einen eigenen Religionsunterricht durch?
Viele der Themen unseres Unterrichts werden auch im Ethikunterricht behandelt, im Sachunterricht, Deutsch, Sozialkunde. Wir wollen mit unserem eigenen Unterricht aber gerade Platz schaffen für Themen, die nicht angesprochen werden, etwa die Geschichte Freien Denkens, freireligiöser Bestrebungen. Wir wollen Themen, auch wenn sie in anderen Fächern angesprochen
werden, aus dem Gesichtspunkt Freier Religion heraus diskutieren, Lebenszusammenhänge entwickeln und erfahrbar machen, die in einem mehr sachorientierten Unterricht zu kurz kommen.
Beispiel: Drogen. Hier sollen im Unterricht nicht nur eine Übersicht über Drogen, ihre Wirkungen und ihre Gefahren vermittelt werden, sondern auch deutlich werden, warum sie genommen werden, Alternativen diskutiert werden, Zusammenhänge auch zu Religionen hergestellt werden,
etwa religiös begründeter Drogengebrauch oder auch religiös begründete Verbote besprochen und in ihren Hintergründen deutlich gemacht werden. Auch das Thema Religion als Droge soll zur Sprache kommen wie auch gesellschaftliche Zusammenhänge, die ein Doping in jeglicher Form nahe
legen, hinterfragt werden.

Was ist Freie Religion?
Freie Religion ist eine humanistisch geprägte Weltanschauung. Sie lebt aus der Idee der individuellen Selbstbestimmung in religiösen und weltanschaulichen Fragen. Freie Religion erwächst aus den Gedanken der europäischen Aufklärung. Sie fordert die Menschen heraus, im Einklang von Vernunft
und Gefühl ihr Leben zum Wohle der Menschheit zu gestalten. Für sie ist der Mensch ein Teil der Natur. Er handelt in ihr und verändert sie und ist gleichzeitig als Lebewesen von den natürlichen Gegebenheiten abhängig. Durch die Natur, durch seine Mitmenschen und sich selbst sind dem
Menschen Grenzen gesetzt. Menschen wollen aber erlebte Grenzen verändern und sie durch ihr Wissen und Handeln erweitern. Dabei werfen sie durch ihr Tun häufig neue Probleme für sich auf. Und immer streben sie danach, diese Grenzen zu verstehen und in ihr Bild von der Welt einzuordnen. Religionen und Weltanschauungen erkennen wir daher als Wege, die Menschen entwickeln, um erlebte Grenzen zu erklären und in menschliches Leben einzubeziehen. Freie Religion antwortet auf die Frage nach dem Sinn des Lebens mit dem Verweis auf den Menschen selbst, die eigenen Kräfte und Fähigkeiten, und auf das Wissen, dass Religion ein von Menschen entwickelter Weg ist, das Geschehen des Unwägbaren für sich zu verstehen und einzuordnen. Sie weist daher nicht auf eine transzendentale oder absolute Macht jenseits von Welt und Mensch hin. Darin hat sie sich von ihren
christlichen Ursprüngen gelöst. Menschen sind zum Nachdenken über sich, die Welt und die
grundlegenden Prinzipien des Lebens fähig. Ihre Neugierde lässt sie fragen und suchen und Antworten mit zunehmendem Alter auch durchaus kritisch betrachten. Ihre Fähigkeit zum kritischen Denken anzuregen und zu entwickeln ist ein Ziel Freier Religion. Neben jedem Denken steht das Erleben der eigenen Gefühle und der Bereitschaft zur Bindung. Deren Entwicklung ermöglicht das Hinterfragen und Zweifeln, ohne in Verzweiflung umzuschlagen. Die Auseinandersetzung mit
gewonnenen Einsichten ist anstrengend, Unterstützung dabei hilfreich, sofern sie nicht Antworten vorgibt und das Abbrechen des Denkens ermutigt.


 

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